LONG COVID UND POSTVIRALE SYNDROME

Nach einer Virusinfektion – etwa nach Covid-19, einer Grippe oder anderen Infekten – können Beschwerden bestehen bleiben, obwohl die akute Erkrankung längst abgeklungen ist. Man spricht dann von Long Covid oder allgemein von einem postviralen Erschöpfungssyndrom.

Typische Symptome sind anhaltende Erschöpfung, verminderte Belastbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen („Brain Fog“), Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelschmerzen, Schlafstörungen oder Stimmungsveränderungen. Diese Symptome sind real, körperlich begründet und für die Betroffenen häufig sehr belastend.

Wichtig ist: Long Covid ist keine psychiatrische Erkrankung! Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich dennoch unverstanden oder vorschnell „psychisch eingeordnet“, wenn trotz klarer Beschwerden keine auffälligen Labor- oder Bildbefunde vorliegen. Diese Situation kann das Gefühl der Hilflosigkeit verstärken – obwohl es sich um eine komplexe, multisystemische Erkrankung handelt, bei der neurologische, immunologische und vegetative Faktoren zusammenwirken.

In meiner Ordination lege ich besonderen Wert auf eine ernsthafte und ganzheitliche Abklärung. Dazu gehören eine gründliche neurologische Untersuchung, Labor- und Bildgebung, autonome Funktionsdiagnostik und – falls sinnvoll – neuropsychologische Tests.

Die Therapie orientiert sich an den führenden Symptomen und erfolgt individuell abgestimmt. Bewährt haben sich strukturiertes Aktivitätsmanagement (Pacing), Rehabilitation, gezielte medikamentöse Unterstützung sowie psychosomatische Begleitung, die nicht „psychisch erklärt“, sondern den Genesungsprozess unterstützt.

Auch wenn der Heilungsverlauf Geduld erfordert, ist eine deutliche Besserung bei vielen Patient:innen möglich.

Ziel ist es, Schritt für Schritt Kraft, Konzentration und Lebensqualität zurückzugewinnen – mit Verständnis, Geduld und einem klaren medizinischen Konzept.